Karfreitag:
Jesus wird verurteilt
Der nächste Morgen war ein Freitag. Jesus wusste, heute würde es geschehen: das, wovor er doch so große Angst hatte. Ja, er hatte seinem Vater gesagt hatte, er vertraue ihm. Aber Angst hatte er trotzdem. Jesus wusste, dies würde der Tag sein, an dem er sterben müsste. Das war so vorhergesagt.
Jesus weckte seine Jünger, die in der morgendlichen Kühle noch friedlich schliefen: „Steht auf, gleich kommen sie, um mich zu holen! Seht, der Verräter ist schon da!“ Und da kamen auch schon Männer. Die waren bewaffnet mit Stangen und Schwertern. Das waren Männer, die für den Hohepriester arbeiteten. Und Judas führte sie an und zeigte ihnen den Weg. Die eben noch schlaftrunkenen Jünger waren plötzlich hellwach. Was hatte Judas vor? Da war der auch schon bei ihnen. Er grüßte und küsste Jesus. Das war das geheime Zeichen, auf das die Knechte des Hohepriesters nur gewartet hatten: Der, den Judas küsste, das war Jesus. Und den nahmen sie gefangen und fesselten ihn wie einen Verbrecher. Und Petrus wurde plötzlich ganz mutig, er schnappte sich ein Schwert und ging damit auf einen der Knechte los. Aber Jesus rief ihn zurück: „Stopp, Petrus, nicht! Mein Vater im Himmel könnte mir ein Heer von Engeln schicken, um mich zu retten. Aber es muss so geschehen, wie es gerade geschieht. Gott will das so.“ Als sich Jesus dann noch an die Knechte wandte undsie fragte: „Warum überfallt ihr mich hier, heimlich im Garten? Ich war doch jeden Tag im Tempel, warum habt ihr mich nicht dort verhaftet? Aber ich weiß schon, das musste so sein…“ Da bekamen es die Jünger erst recht mit der Angst und sie liefen davon.
Die Knechte aber brachten Jesus vor den Hohepriester, der hieß Kaiphas. Der wollte hören, was Jesus denn nun verbrochen hätte. Dafür sollten Zeugen aussagen. Und die klagten Jesus an: „Er wollte den Tempel zerstören!“, „Jesus hat die Leute aufgehetzt!“ Lauter Vorwürfe, die alle nicht wahr waren. Aber Jesus verteidigte sich nicht. Er sagte kein Wort.
Der Hohepriester Kaiphas aber wollte es nun genau wissen: „Sag uns nur dies eine: Bist Du der Sohn Gottes, der Retter, ja oder nein?“ Und Jesus antwortete: „Ja. Ich bin Gottes Sohn. Und ich sage euch, nun gehe ich zu meinem Vater. Aber irgendwann werde ich wiederkommen. Und dann werdet ihr das auch erkennen.“
Da wurde Kaiphas zornig. Er schrie: „Der da lügt! Das ist Gotteslästerung! Er ist nicht Gottes Sohn! Er ist der Sohn von Josef aus Nazareth, einem einfachen Menschen! Was meint ihr, was hat er für diese Lüge für eine Strafe verdient?“ Und alle schrien: „Er muss sterben!“ Und sie schlugen und traten und bespuckten ihn. Und dann machten sie sich über ihn lustig. Jesus aber sagte wieder kein Wort.
Draußen auf dem Hof warteten währenddessen die Männer, die Jesus verhaftet hatten. Bei ihnen waren auch ein paar Dienerinnen. Als durch das Tor ein Mann schlich und sich still zu den Männern setzte, da haben sie ihn erst gar nicht bemerkt. Bis eine der Dienerinnen sich vor dem Mann aufbaute und ihn vorlaut ansprach: „Du, du da, du gehörst doch auch zu diesem Jesus!“ Der Mann aber wehrte erschrocken ab: „Ich, nein, ich weiß gar nicht was du meinst, ich kenne den nicht!“ Und er rannte schnell zum Tor. Da stand aber eine zweite Dienerin. Und auch die zeigte mit dem Finger auf ihn und rief: „Der da, der gehört auch zu Jesus!“ Und der Mann widersprach erneut: „Nein, nein, ich kenne diesen Jesus nicht!“ Und als alle anderen dann zusammenliefen und erneut meinten: „Doch, doch, du kommst doch aus der gleichen Gegend wie er, du gehörst zu ihm!“, da rief der Mann wieder: „Bei Gott, nein, ich kenne diesen Menschen nicht!“ Der Mann, der nun aber dreimal gesagt hatte, er kenne Jesus nicht, war Petrus gewesen. Und dann krähte der Hahn. Da rannte Petrus verzweifelt davon. Denn genauso hatte es ihm Jesus doch vorhergesagt, dass es geschehen würde!
Nun sollte Jesus sterben. Töten durften ihn aber nur die Römer, die waren für die Gerichtsbarkeit im Land zuständig. Deshalb wurde Jesus zu dem Römer Pontius Pilatus geführt. Der herrschte damals über das Land; der römische Kaiser hatte ihm dazu die Macht verliehen. Pontius Pilatus wollte nun von den Priestern wissen: „Warum wollt ihr, dass ich Jesus verurteile? Was hat er getan?“ Und die Priester waren ganz aufgebracht: „Dieser Jesus hat das Volk aufgehetzt. Er hat gesagt, er sei der König!“ Deshalb fragte Pontius Pilatus Jesus ganz direkt: „Bist du der König der Juden?“ Und Jesus antwortete mit „Ja.“ Die anderen aber waren wütend: „Er lügt, glaub´ ihm nicht!“ Jesus aber schwieg. Und Pilatus wurde unsicher. Wem sollte er jetzt glauben? Was, wenn Jesus unschuldig war? Dann kam auch noch ein Diener mit einer Nachricht von Pontius´ Frau. Die bat ihren Mann in dem Brief: „Mein lieber Pontius, verurteile Jesus nicht. Ich habe heute Nacht im Traum ganz deutlich gesehen, dass Jesus unschuldig ist. Deine Dich liebende Frau.“ Was sollte Pontius nun glauben? Er hatte eine Idee. Er befahl seinen Soldaten, einen verurteilten Mörderaus dem Gefängnis zu holen. Der Mörder hieß Barrabas. Dann ließ Pontius die beiden Gefangenen, Jesus und Barrabas, vor seine Burg führen. Er zeigte beide den dort wartenden Menschen und machte ihnen ein Angebot: „Ihr habt doch morgen ein für euch wichtiges Fest. Da will ich euch was schenken. Einen Gefangenen lasse ich frei. Sagt mir nur, welchen von diesen beiden!“ Bei sich dachte Pontius: „Die Leute wollen bestimmt diesen Jesus haben. Der ist doch nicht so gefährlich wie Barrabas, der Menschen umgebracht hat.“ Die Priester aber stachelten das Volk an: „Los, schreit, ihr wollt Barrabas haben!“ Und die Leute schrien: „Lass Barrabas frei!“ Und Pontius fragte weiter: „Und was soll ich dann mit Jesus machen?“ Da schrien alle, ganz aufgestachelt und aufgeregt: „Ans Kreuz mit ihm, kreuzigt ihn!!“ Pontius war das wirklich unangenehm. Am liebsten hätte er mit der ganzen Sache nichts zu tun gehabt. Für alle sichtbar wusch er sich deshalb seine Hände in einer Schüssel mit Wasser. Das sollte bedeuten: Seht, ich wasche meine Hände in Unschuld, ich bin sauber, ich habe nichts falsch gemacht. Dann übergab er Jesus an seine Soldaten und sagte: „Macht mit ihm, was ihr wollt.“
Und sie rissen Jesus seine Kleider vom Leib und peitschten ihn aus. Sie flochten eine Krone aus Dornen, die sie ihm auf den Kopf drückten und verspotteten ihn: „Was für ein toller König!“
Dann führten sie Jesus vor die Mauern der Stadt. Da war ein Hügel, der hieß Golgatha. Jesus musste sogar das große, schwere Holzkreuz, an dem er gekreuzigt werden sollte, selbst fast den ganzen Weg von der Stadt bis auf den Hügel tragen. Dort nahmen sie Nägel und nagelten ihn mit den Händen und den Füßen an das Kreuz. Und obendrauf schrieben sie „Jesus von Nazareth, König der Juden“. Dann stellten sie das Kreuz auf.
Es standen aber auch noch zwei weitere Kreuze auf dem Hügel, rechts und links von Jesus. An denen hingen zwei Verbrecher. Die waren noch ziemlich frech: „Du da, wenn du wirklich Gottes Sohn bist, dann beweis´ uns das doch, los, steig vom Kreuz runter, wenn du kannst!“ Und auch die Zuschauer machten sich über Jesus lustig: „Ja, ja, er soll zeigen was er kann, wenn er wirklich der König der Juden ist! Wenn er allen anderen geholfen hat, dann soll er sich jetzt mal selbst helfen! Dann wollen wir ihm auch glauben!“ Jesus aber machte gar nichts. Keine Reaktion. Er schwieg. Und als es Mittag wurde, da verschwand plötzlich die Sonne, als ob es Nacht würde. Und nach Stunden der Dunkelheit schrie Jesus: „Mein Gott! Mein Gott! Warum hast Du mich verlassen?“ Und sie spotteten wieder über Jesus: „Hört, jetzt schreit er um Hilfe!“ Und einer tauchte einen Schwamm in Essig, steckte den an eine Stange und gab Jesus damit zu trinken. Dann schrie Jesus ein zweites Mal. Und starb.
Und die Erde bebte plötzlich, alles zitterte, Steine brachen und im Tempel riss der Vorhang, der vor dem allerheiligsten Bereich hing, in der Mitte entzwei. Das hatte ein römischer Offizier, der mit seinen Soldaten unter dem Kreuz stand, alles beobachtete. Und der Offizier, er hatte den Rang eine Hauptmanns, der erkannte plötzlich: „Wahrhaftig, dieser Mensch ist wirklich Gottes Sohn!“