Auf ein Wort

Sommerwort St. Nicolai

Liebe Besuchende unserer Homepage,

Wieder im Dienst

Wieder im Dienst, denke ich und schaue nach einem eher verregneten Urlaub in Kalender, auf Mail-Listen und Telefonnotizen.

Wieder im Dienst, den ich, seit ich denken kann, gern ausübe. In den Urlaubstagen habe ich lediglich notwendige Terminplanungen begleitet, Beerdigungen für die Zeit nach der Rückkehr zugesagt, im Ausnahmefall auch seelsorgerlichen Kontakt gehalten.

Wieder im Dienst, das heißt, dass vorher eine Unterbrechung gut war. "Wegfahren und keiner will was" sagte einmal ein Installateur, eine pflegende Angehörige, ein Polizist, eine Arzthelferin, eine Büroleitung. Viele kennen das und es gilt ebenfalls für den Pastor.

Die excellente vegetarische Hündeleskopfhütte bei Nesselwang, mit Heidi zu ihren Pferden und mit Hans-Georg Stämme aus dem Forst ziehen, der Bioland-Kuhstall und die Gastfreundschaft von Familie Schöll oberhalb des Niedersonthofener Sees, ein Ausflugswochenende nach München, das Wiedersehen mit Freunden in Immenstadt oder die herrlichen Butterbrez'n zum Frühstück bei Bäcker Härle in Sonthofen - all das und noch viel mehr im Allgäu tat gut. Und macht sehr, sehr dankbar. Den Regen übersehe ich mal, er hat wenigstens den Wiesen, den Bäumen, mancher Frucht und den Stauseen geholfen. Und den Schirmverkäufern.

Wieder im Dienst - so wird es auch anderen gehen, egal, wo sie im Urlaub waren zwischen Balkonien und Nordpol - heißt wieder im Alltag landen, aber eben ein bißchen verwandelt. Bilder und Erinnerungen, Begegnungen und Karten, Mahlzeiten und Kulturen aus Ferientagen gehören deshalb in unsere Schatzkisten des Lebens.

Wieder im Dienst, das gilt für alles Berufliche in Haus und Betrieb. Es lässt sich aber auch anders verstehen, viel umfassender noch. Ein beschriebener alter Fensterflügel in Silvias Hüttenstube macht deutlich, worum es geht, gehen könnte:

"Tue, was du kannst
mit dem, was du hast
dort wo du bist."

Wir dürfen uns Gutes tun. Und darüber andere nicht vergessen. Wir dürfen Talente entdecken, sie für uns nutzen und anderen helfen. Wir dürfen unterwegs, beweglich, weltoffen sein und doch da, wo wir sind, ganz präsent sein.

Unserer Welt, die momentan (wieder mal) auseinanderdriftet, täte es gut, weniger an das eigene Ego und mehr an das Lebenswohl anderer Menschen zu denken. Vorbilder sind nicht der unberechenbare Erpresser ohne Anstand am Potomac River, der Kriegstreiber an der Moskwa oder der Antidemokrat am Bosporus. Im Kleinen gibt es sie unter uns...

Vorbilder sind eher zahlreich dort, wo das Menschliche zählt, die Großzügigkeit wohnt, wo sich Mühe gegeben wird, wo Solidarität herrscht und Demokratie mit Vernunft und Gelassenheit gelebt wird und wo Freundinnen und Freunde an unserer Seite sind, die diesen Namen verdienen. Das findet mit Gottes Hilfe im alten/neuen Alltag statt. Eben "Wieder im Dienst". Wie gehabt oder immer wieder neu.

Ich wünsche alles Gute zum Dienstbeginn,
Ihr/Euer Pastor Matthias Fricke

Matthias Fricke Zieseniß 2
Pastor Matthias Fricke-Zieseniß