Friedensglocke ist wieder an ihrem Platz

Nachricht 29. November 2016
glockeneinbau_segen
Foto: Steffani-Böringer

Sarstedt (stb)  Auf Bildern aus früheren Zeiten scharen sich zu solch einem Anlass würdige Herren in steifen Kragen und schwarzen Anzügen, dazu Grüppchen weißgewandeter kleiner Mädchen. Der oder das zu Ehrende bekam zudem in der Regel einen Blütenkranz umgelegt. Insofern hat sich in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten doch einiges geändert. Als am 30. November 2016 die sogenannte „Friedensglocke“ wieder in den Turm der St. Nicolai-Kirche in Sarstedt gehievt wurde, gab es natürlich eine kleine feierliche Andacht zu Ehren der Glocke, doch optisch überwogen winterlich wärmende Oberbekleidung und Gesundheitsschuhe. Trotzdem war es ein besonderer Moment, dessen waren sich alle Anwesenden bewusst. Es wurde natürlich gesungen und Pastor Matthias Fricke-Zieseniß erinnerte in einer kleinen Freiluft-Andacht an die schweren Zeiten nach dem Dreißigjährigen Krieg, als Sarstedt gerade mal noch 500 Einwohner hatte, die jedoch aus Freude über das Ende des Krieges den finanziellen Kraftakt auf sich nahmen, spendeten und diese Glocke in Auftrag gaben. Der hannoversche Meister Ludolf Siegfried goss das 1,33 m hohe, 1,65 t schwere Bronzestück, das mit dem eingegossenen Psalm 150 „Halleluja! Lobt Gott in seinem Heiligtum, lobt ihn in seiner mächtigen Feste! Lobt ihn für seine großen Taten, lobt ihn in seiner gewaltigen Größe! Lobt ihn mit dem Schall der Hörner, lobt ihn mit Harfe und Zither! Lobt ihn mit Pauken und Tanz, lobt ihn mit Flöten und Saitenspiel! Lobt ihn mit hellen Zimbeln, lobt ihn mit klingenden Zimbeln! Alles, was atmet, lobe den Herrn! Halleluja!“ sowohl auf die musikalische als auch auf die religiöse Komponente Bezug nimmt. Außerdem werden auf der Glocke auch die sogenannten Altaristen, die sich um die mit der Altarstiftung einhergehenden Aufgaben, z.B. Messfeiern für die Stifter, kümmerten, der Bürgermeister und der Pastor genannt.

Die „Friedensglocke“ war die zweite im Glockenturm, in dem in einer Gaube im Turmhelm auch eine 1627 gegossene hängt. Später erhielt die St. Nicolai-Kirche noch Glocken in den Jahren 1937, 1956 und 1966.

Drei Monate war die Glocke nicht im Turm gehangen. Sie wurde grundlegend fit gemacht für weitere klingende Jahrhunderte. Im Glockenschweißwerk Lachenmeyer in Nördlingen war sie „aufgeschweißt“ worden, d.h. die Stellen, an denen sie durch Abnutzung beim Läuten im Inneren dünnwandig geworden war, wurden wieder mit Bronze verstärkt. Dazu hat sie einen neuen, gut bemessenen Klöppel mit Kugelballen bekommen, der ihr einen weicheren Klang verschaffen soll. Rund 52 kg ist er alleine schwer.

Wenn alles wie geplant läuft, wird die Friedensglocke zusammen mit ihren drei Schwestern zu Heilig Abend wieder in voller Pracht läuten.

Die Bauarbeiten und Sanierungsarbeiten an Mauern, Dächern und Turm der Kirche hingegen werden noch vermutlich bis Ende 2017 andauern. So lange bleibt das Gotteshaus eingerüstet.

 

glockeneinbau_innenansicht
Foto: Steffani-Böringer

Dort wo die Friedensglocke aufgeschweißt wurde, kann man das frische Metall deutlich heller glänzend erkennen.